Die Lehren der Vedas

In der Brahma Samhita heißt es an einer Stelle: “Besteige einfach das Flugzeug, das mit der Geschwindigkeit des Geistes fliegt.” Unsere materiellen Flugzeuge können 2 000 Kilometer in der Stunde fliegen, doch bedenken wir einmal die Geschwindigkeit des Geistes. Sie sitzen zuhause und denken an Indien, das von hier ungefähr 10000 Kilometer entfernt liegt, und sogleich ist es bei ihnen. Ihr Geist ist dort hingegangen. Die Geschwindigkeit des Geistes ist so ungeheuer schnell. Deshalb heißt es: “Wenn du dich mit dieser Geschwindigkeit für Millionen von Jahren fortbewegst, wirst du erkennen, dass der spirituelle Himmel grenzenlos ist.” Es ist nicht möglich, sich dieser Sphäre mit materiellen Mitteln auch nur zu nähern. Aus diesem Grund lautet die vedische Unterweisung, dass man sich einem echten spirituellen Meister, einem Guru, nähern muss (das Wort “unumgänglich” wird gebraucht). Und wodurch zeichnet sich ein echter spiritueller Meister aus? Er hat die vedische Botschaft aus der richtigen Quelle richtig gehört. Andernfalls ist er nicht echt. Er muss auf praktische Weise fest im Brahman, der absoluten Wahrheit, verankert sein. Dieses sind die beiden Eigenschaften.

Die Bewegung für Krishna Bewusstsein ist von den vedischen Prinzipien her völlig autorisiert. In der Bhagavad Gita (15.15) sagt Krishna “Das eigentliche Ziel der vedischen Forschung bin Ich.” In der Brahma Samhita (5.33) heißt es: “Krishna, Govinda besitzt unzählige Formen, doch sie sind alle eins.” Man kann sie nicht mit unseren Formen oder Körpern gleichsetzen, die fehlbar sind. Seine Gestalt ist unfehlbar. Mein Körper hat einen Anfang, doch Sein Körper hat keinen Anfang. Er ist ananta oder unendlich, denn Seine Multiformen sind zahllos. Mein Körper sitzt jetzt hier, und nicht in meiner Wohnung. Sie sitzen ebenfalls hier, und nicht in Ihrer Wohnung. Doch Krishna kann überall zugleich sein. Er kann Sich in Goloka Vrindavana aufhalten, und zur gleichen Zeit weilt Er überall alldurchdringend. Er ist der Ursprüngliche, der Älteste, doch wenn Sie ein Bild von Krishna betrachten, werden Sie immer einen fünfzehn bis zwanzigjährigen Jüngling sehen. Sie werden nie einen alten Mann finden. Sie haben vielleicht Bilder aus der Bhagavad Gita gesehen, die Krishna als Wagenlenker darstellen. Damals war Er nicht weniger als hundert Jahre alt. Er hatte bereits Urenkel, doch sah Er aus wie ein Jüngling. Krishna oder Gott wird nie alt. Das ist Seine höchste Macht. Und wenn Sie Krishna durch das Studium der vedischen Literatur erkennen möchten, werden Sie wahrscheinlich scheitern. Es mag möglich sein, doch ist es sehr schwierig. Sie können jedoch sehr leicht von Seinem Geweihten etwas über Ihn erfahren. Der Gottgeweihte kann Ihnen Krishna geben: “Hier ist Er, nehmen Sie Ihn.” Das steht in der Macht der Geweihten Krishnas.

Ursprünglich gab es nur einen Veda, und es war nicht nötig, ihn zu lesen. Die Menschen waren so intelligent und verfügten über ein solch scharfes Erinnerungsvermögen, dass sie nur einmal von den Lippen des spirituellen Meisters zu hören brauchten, um das Gesprochene in sich aufzunehmen und zu verstehen. Die gesamte Bedeutung war ihnen sogleich klar.

Vor 5 000 Jahren dann legte Vyasadeva für die Menschen des gegenwärtigen Zeitalters, des Kaliyuga, die Vedas schriftlich nieder. Er wusste, dass die Menschen nur noch eine kurze Lebenserwartung haben würden, dass ihr Erinnerungsvermögen sehr schwach und ihre Intelligenz nicht sehr scharf sein würde. Er überlegte also: “Laß mich daher das vedische Wissen in schriftlicher Form lehren.” Er gliederte den ursprünglichen Veda in vier Teile (Rig, Sama, Atharva und Yajur) und gab diese in die Obhut seiner Schüler. Sodann dachte er an die weniger intelligenten Menschen, stri (die Frauen), sudra (die Arbeiter) und dvijabandhu (diejenigen, die in einer hochgestellten Familie geboren wurden, jedoch nicht entsprechend befähigt sind). Ein Mann, zum Beispiel, der in der Familie eines Brahmana geboren wurde, aber nicht die Fähigkeiten eines Brahmana besitzt, wird als dvijabandhu bezeichnet. Für diese Menschen verfasste er das Mahabharata, auch “die Geschichte Indiens” genannt, und die Puranas. Die vedischen Schriften umfassen also die Puranas, das Mahabharata, die vier Vedas und die Upanishaden. Die Upanishaden bilden einen Teil der Vedas .Als nächstes fasste Vyasadeva das gesamte vedische Wissen für Gelehrte und Philosophen im Vedantasutra zusammen. Dieses Werk gilt als “das letzte Wort der Vedas”. Vyasadeva schrieb das Vedantasutra persönlich unter der Anleitung Naradas, seines Guru Maharaja oder spirituellen Meisters, doch immer noch war er nicht zufrieden. Dies ist eine Geschichte, die man im Srimad Bhagavatam (I Canto, 6. Kapitel) nachlesen kann. Selbst nachdem Vedavyasa die zahlreichen Puranas und Upanishaden zusammen gestellt, und sogar nachdem er das Vedantasutra verfasst hatte, war er nicht zufrieden. Darauf gab ihm sein spiritueller Meister, Narada, die Anweisung: „Erkläre den Vedanta.“ Vedanta bedeutet “endgültiges Wissen”, und das endgültige Wissen ist Krishna. Krishna sagt überall in den Vedas, dass man Ihn verstehen muss.

In der Bhagavad Gita (15.15) erklärt Er: „vedais ca sarvair aham eva vedyo vedantakrd vedavid eva caham“ „Ich bin es, der durch alle Vedas zu erkennen ist, ja Ich bin der Verfasser des Vedanta, und Ich bin der Kenner der Vedas.” Das endgültige Ziel ist daher Krishna. Dies wird in allen Kommentaren der Vaishnavas zur Vedanta Philosophie erklärt. Unser Kommentar, das heißt der Kommentar der Gaudiya Vaishnavas, stammt von Baladeva Vidyabhusana und trägt den Titel “Govindabhasya”. Auch Ramanujacarya und Madhvacarya hinterließen jeweils einen Kommentar zur Philosophie des Vedanta. Sankaracaryas Auslegung ist nicht der einzige Kommentar. Es gibt also viele Kommentare zum Vedanta, und nur weil die Vaishnavas nicht als erste einen Vedanta-Kommentar vorlegten, ist der falsche Eindruck entstanden, der Sankaracaryas sei der einzige. Abgesehen davon verfasste Vyasadeva selber den vollendeten Vedanta-Kommentar, das Srimad Bhagavatam. Das Srimad Bhagavatam beginnt mit den ersten Worten des Vedantasutra: janmady asya yatah. Und dieses janmady asya yatah wird im Srimad Bhagavatam ausführlich erklärt. Das Vedantasutra deutet nur an, was das Brahman oder die absolute Wahrheit ist: janmady asya yatah. “Die absolute Wahrheit ist das, von dem alles ausgeht.” Dies ist eine Zusammenfassung, doch im Srimad Bhagavatam findet man eine bis in alle Einzelheiten gehende Erklärung. Wenn alles von der absoluten Wahrheit ausgeht, worin besteht dann das Wesen der absoluten Wahrheit? Das wird im Srimad Bhagavatam erklärt. Die absolute Wahrheit muss Bewusstsein sein. Er (die absolute Wahrheit) leuchtet aus Sich Selbst heraus. Wir entwickeln unser Bewusstsein und unser Wissen, indem wir von anderen Wissen empfangen; doch von Ihm heißt es, Er leuchte aus Sich Selbst heraus. Das gesamte vedische Wissen ist im Vedantasutra zusammengefasst, und dieses Vedantasutra erläutert der Verfasser selber im Srimad Bhagavatam. Zuletzt möchte ich all diejenigen bitten, die wirklich nach vedischem Wissen streben, die Erklärung allen vedischen Wissens aus dem Srimad Bhagavatam und der Bhagavad Gita zu verstehen. Vielen Dank

[Deutsche Übersetzung aus einer Vorlesung von A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada, am 6. Oktober 1969 in der Conway Hall, London, England.]

Published by

BaladevDas

BaladevDas

Private Webseite ohne kommerziellen Hintergrund. Betreiber und Kontakt: B.Rose, 12435 Berlin, Lohmühlenstraße 27

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *